Ausstellung

Sonderaus-
stellung

Kiltgang

Unspunnenfest

Bahnen

Bilder 

Publikationen

Links

Bücher

Home

Stiche aus dem Berner Oberland

Kleinmeister im Dienste des aufkommenden Tourismus

Vue des Ruines d'Unspunnen près de WilderswylIn der Schweiz gab es zu Beginn des 18. Jahrhunderts praktisch keine Verdienstmöglichkeiten und sie befand sich gegenüber den ersten ausländischen, vergleichsweise immens reichen Touristen in der Lage eines heutigen Drittweltlandes. Alle die damit verbundenen, heute angeprangerten Missstände, trafen damals auch auf unser Land zu. Ohne jede anderweitige Hilfe haben unsere Vorfahren mit viel Einsatz, Mut und Arbeit in einer sich kaum voraussehbar entwickelnden Weltwirtschaft eine vorzügliche touristische Infrastruktur geschaffen, von der wir heute leben.

Das Berner Oberland wurde vor allem der Naturschönheiten der Berner Alpen, wie Eiger, Mönch und Jungfrau sowie Thuner- und Brienzersee und der einfachen Erreichbarkeit wegen zu einem der wichtigsten Tourismusgebiete Europas. Insbesondere wurde die bequeme Kutschenfahrt auf dem neu erstellten Strassennetz von Brugg nach Thun geschätzt. Auch das Gedicht über den Staubbach (1779) von Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) «Gesang der Geister über den Wassern» trug viel zu seiner Berühmtheit bei.
Die ersten Reisenden übernachteten und verpflegten sich vor allem in den Pfarrhäusern. Auch für die Unspunnenfeste 1805 und 1808 in Interlaken fanden nur die vornehmeren Gäste in den Schlössern Interlaken und Unterseen Unterkunft. Für alle weiteren Besucher stellten die Bürger des Bödeli ihre Kammern und Betten zur Verfügung und schliefen im Stall auf dem Stroh. Für die Reise wurden alle Schiffe und Ruderboote auf dem Thunersee eingesetzt.

Für die Bekanntheit des Berner Oberlandes waren die beiden Unspunnenfeste wohl das europaweit wichtigste Medienereignis mit einer Nachhaltigkeit, die bis heute andauert. Mit einer Voranzeige in der Pariser Zeitung «Moniteur» und den nachfolgenden Kommentaren in der ganzen europäischen Presse wurden sie überall zur Kenntnis genommen. Mit den zum Fest erstmals erschienenen Texten und Melodien der Volkslieder und den urtümlichen Gesängen der Alphirten, den «Kuhreihen», sowie den folgenden Stichen wurden bleibende Erinnerungen geschaffen. In ihrem berühmten Ölbild verwendete Madame Elisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842), die Stiche von F. N. König (1765–1832), dem «Grossen Trachten-König» von 1804, als Vorbild zu einzelnen Figuren.

Dank den Unspunnenfesten nahm die Zahl der fremden Gäste schlagartig zu. Die touristische In­frastruktur wurde mit dem Bau von Unterkünften an den entstehenden Fremdenorten vorangetrieben. Zuerst entstanden einfache Pensionen, denen bald immer komfortablere Hotels folgten. Auch der Verkehr wurde mit der Inbetriebnahme der Dampfschifffahrt 1835 auf dem Thunersee, der Bödelibahn 1872 bis zur Jungfraubahn 1912 ständig ausgebaut.

Die Touristen wollten auf «ihrem» Stich die gebuchte Unterkunft und die benutzten Verkehrsmittel zur Erinnerung mit einem Kreuz markieren. Die Stiche mussten daher «à jour» sein und im Laufe der Zeit entweder neu hergestellt oder mit Korrekturen der neu entstehenden Bauten und Verkehrsmittel ergänzt werden. Dazu wurde die Oberfläche der Druckplatte oder des Steins fein angeschliffen, bis die Zeichnung entfernt war und durch die neue Version ersetzt werden konnte. In der Druckerpresse folgte der Papierbogen diesen eingeschliffenen geringen Senkungen ohne Weiteres.

Niklaus Wyss hat ein Buch unter demselben titel wiie die Sonderausstellung publiziert. Es kann für Fr. 25.-- plus 5 Fr. Porto und Verpackung im Museum bestellt werden.