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Kiltgang

"Der Kiltgang (nächtlicher Besuch der Burschen bei den
Mädchen) ist eine eingewurzelte
und unvertilgbare Sitte im Canton Bern. Die Jünglinge besuchen
nämlich die Mädchen Nachts, bald einzeln, bald in
Gesellschaft. Der Weg geht durchs Fenster; vorher aber werden
Zärtlichkeitsreden gehalten, die meist drollig genug sind; und auf
diese folgt eine Art Capitulation. Endlich auf dem Gade (obere Stube)
angelangt, werden sie von den Mädchen mit Kirschwasser -
erfrischt.
Alles weitere geht dann (wie man sagt) in der grössten Zucht und
Ehrbarkeit zu ! Ich mag das gerne glauben, obschon mir's nicht in den
Kopf will: wie ein rüstiger Aelpler zum platonisieren kommen soll
? und ob er blos dafür einen rauhen Bergweg von drey bis vier
Stunden, oft bey Regen und Wind, machen würde, wie es manchmal der
Fall ist. Zu dem giebt es oft Symtome, die nicht weniger als platonisch
aussehen und zum Glücke meistens nach der Kirche führen. Doch
ich - glaube! und habe eben dieses Glaubens wegen mein Blatt vom
Kiltgang so guthmütig behandelt."
Franz Niklaus König, 1814

Eindrücklich und humorvoll hat der Luzerner Franz Xaver Schnyder Von Wartensee (1786-1868) den Kiltgang beschrieben.
Schnyder besuchte 1805 zusammen mit zwei Freunden das Unspunnenfest.
Dabei wurde er von einem einheimischen Schmiedegesellen in Unterseen in
das Fensterln eingeführt. Seine Erzählung von diesem
Abenteuer ist im Buch Unspunnen - Die Geschichte der Alphirtenfeste von Rudolf Gallati und Christoph Wyss enthalten.
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